„TUSEM lebenslänglich“ – Folge 8

Niels Ellwanger und Frank Arens: „Der TUSEM ist mehr als Handball. Er ist Heimat“

Frank Arens und Niels Ellwanger.

Wenn Frank Arens und Niels Ellwanger über den TUSEM sprechen, dann reden sie nicht einfach über einen Sportverein. Sie reden über einen Ort, der ihr Leben über Jahrzehnte begleitet hat, über Freundschaften, Leidenschaft und eine Gemeinschaft, die weit über den Sport hinausgeht.

Dabei hätten ihre Wege unterschiedlicher kaum beginnen können.

Niels Ellwanger kommt aus dem Kanusport. Angefangen bei der KG Wanderfalke mit Kanupolo, später in den Rennsport gewechselt. Seine Karriere führte ihn bis in die Weltspitze und zu den Olympischen Spielen 1988 in Seoul. Zum Handball fand er erst viele Jahre später zurück – ausgerechnet in einer Zeit, als der Verein nach der Insolvenz 2005 vor großen Herausforderungen stand. Klaus Schorn fragte ihn damals, ob er helfen könne, die Jugendarbeit wieder aufzubauen. Dort, wo nun auch seine Söhne Lukas und Jonas Handball spielten. Niels sagte zu. Allein wollte er diese Aufgabe aber nicht angehen. Also suchte er Mitstreiter. Einer davon war Frank Arens.

Auch Frank verbindet mit Klaus Schorn eine besondere Geschichte. 1989 holte der legendäre TUSEM-Macher den damals 19-jährigen Handballer von Bayer Leverkusen nach Essen. Frank erinnert sich noch heute schmunzelnd an die Erzählung, wie das zustande gekommen sein soll: Bei einem Pokalspiel hatten die TUSEM-Verantwortlichen ihn beobachtet. „Die erste Halbzeit spielte ich miserabel“, erinnert er sich. Trotzdem soll Klaus Schorn schon damals gesagt haben: „Den holen wir.“ In der zweiten Halbzeit traf Frank dann gleich neunmal.

Eigentlich wollte er damals gar nicht zum TUSEM wechseln. Der Verein war gerade Deutscher Meister und Europapokalsieger geworden – für einen jungen Spieler schien der Konkurrenzkampf riesig. Doch sein Vater überzeugte ihn: „Der TUSEM ist das Bayern München des deutschen Handballs.“ Es wurde eine Entscheidung, die sein Leben prägen sollte.

Elf Jahre spielte Frank für den TUSEM in der Bundesliga, gewann Europapokal und Pokalsiege und lernte Menschen kennen, die ihn bis heute begleiten. Für ihn war der Verein immer mehr als nur ein Arbeitgeber oder eine Mannschaft. Er wurde ein Stück Heimat.

Diese Heimat beschreiben beide auf ähnliche Weise. Für Niels ist der TUSEM „Gemeinschaft“. Für Frank ist er „Traditionsverein“ und „Marke“. Vor allem aber gehört er für beide untrennbar zur Margarethenhöhe. Ein Stadtteil ohne TUSEM? „Nicht vorstellbar“, sagt Niels. Frank erinnert sich daran, wie herzlich er damals als Zugezogener aufgenommen wurde. „Die Margarethenhöhe ist wie ein Dorf mitten in der Stadt. Die Menschen haben schon damals ihren TUSEM geliebt und sind stolz auf ihn.“

Besonders deutlich wurde diese Verbundenheit in den Jahren, in denen Frank und Niels gemeinsam Verantwortung übernahmen. Sie halfen dabei, die Handballabteilung und vor allem die Jugendarbeit neu aufzustellen. Viele Ehrenamtliche zogen mit. Aus dieser Zeit stammt einer ihrer größten gemeinsamen Erfolge: zu sehen, wie junge Spieler sich zu Profis und teilweise Nationalspielern entwickelten und der Verein wieder auf stabile Beine kam.

Wenn beide an ihre schönsten TUSEM-Momente denken, fallen die Antworten unterschiedlich aus. Für Niels sind es die Aufstiege. Momente, in denen sich jahrelange Arbeit plötzlich auszahlte. Besonders der Bundesligaaufstieg 2020 während der Corona-Zeit bleibt ihm in Erinnerung. Gefeiert wurde damals im Autokino: „Eine ungewöhnliche, fast absurde Kulisse.“ Gerade deshalb ist sie unvergessen geblieben.

Frank denkt sofort an die beiden Pokalsiege Anfang der 1990er-Jahre. Vor allem an das Finale mit Verlängerung und Siebenmeterschießen. Die Grugahalle bebte, und gefühlt stand die gesamte Halle hinter seiner Mannschaft. „Solche Augenblicke vergisst ein Sportler nie“, ist sich der 57-Jährige sicher.

Aber es sind oft die kleinen Geschichten, die Jahrzehnte später am lebendigsten bleiben. Frank erinnert sich an Europapokalreisen in den Osten Europas. „Einmal landeten wir mit einem Charterflugzeug auf einem Militärflughafen. Überall standen Soldaten und Taxifahrer, die uns Spieler anstarrten, als kämen wir von einem anderen Planeten.“ Die Überraschung und Herzlichkeit der Menschen dort hat er bis heute nicht vergessen.

Und dann gibt es noch die gemeinsamen Erinnerungen abseits der Hallen. Skifreizeiten in Maria Alm, Kaiserschmarrn-Diskussionen und viele Abende mit Freunden. Niels behauptet bis heute, den besten Kaiserschmarrn überhaupt auf einer Alm bei Maria Alm gefunden zu haben. Frank wagt es nicht dem selbsternannten Kaiserschmarrn-Experten zu widersprechen.

Nach all den Jahren sind beide offiziell etwas in den Hintergrund gerückt. Doch ihre Wünsche für den TUSEM sind geblieben. Sie träumen von einer Zukunft, in der der Verein wieder dauerhaft in der ersten Handball-Bundesliga spielt. Von vollen und modernen Hallen, begeisterten Kindern und einer neuen Generation, die Verantwortung übernimmt.

Denn genau das macht den TUSEM für sie aus: Menschen, die mitmachen. Als Spieler, Trainer, Helfer oder Ehrenamtliche. Wer einmal Teil dieser Gemeinschaft geworden ist, bleibt es irgendwie für immer. Oder wie Frank und Niels es wohl selbst sagen würden: Der TUSEM ist mehr als ein Verein. Er ist auch Familie.


Steckbrief Frank Arens
Alter: 57.
Beim TUSEM seit: 1989.
Sportart: Handball.
Amt: Mitglied im Aufsichtsrat der Handballer, ehemaliger stellv. Vorsitzender der Handball-Abteilung.
Vorherige Vereine: Borussia Inden, TV Weiden, Bayer Leverkusen.
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: Taekwondo.
Davon bin ich Fan: Mannschaftssport im Allgemeinen.
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… wäre kaum vorstellbar und weniger bekannt.
Der TUSEM in einem Wort: Traditionsverein.

Steckbrief Niels Ellwanger.
Alter: 60.
Beim TUSEM seit: 1976.
Sportart: Handball.
Amt: ehem. Co-Trainer in der Jugend, ehem. Vorsitzender der Handballabteilung, ehem. Geschäftsführer der TUSEM Sport und Marketing GmbH, Mitbegründer der Team Talente Essen.
Vorherige Vereine: KG Wanderfalke.
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: Handball, Boxen, Senioren-Turnen bei Bärbel Brückner.
Davon bin ich Fan: Von gutem Essen.
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… wäre kaum vorstellbar.
Der TUSEM in einem Wort: Gemeinschaft