Jo und Bärbel Brückner: „Der TUSEM ist die zweite Heimat“

Es ist kein Zufall, dass Bärbel und Joachim „Jo“ Brückner nur drei Gehminuten von der Klaus-Schorn-Sporthalle entfernt wohnen. Denn für beide ist der TUSEM nicht nur geografisch sehr nah, sondern auch im Herzen.
„Für mich ist es meine zweite Heimat“, sagt Bärbel, die schon seit ihrer Kindheit mit dem TUSEM zu tun hat. Damals im Ginsterweg aufgewachsen, war der Weg zum Fibelweg nicht weit. „Das kam durch meine Freundinnen. Und damals gab es für uns ja gar nichts anderes als in einen Turnverein zu gehen.“ Und bis auf ein kurzes Intermezzo in der Handball-Abteilung des ETB Schwarz-Weiß, war sie dem Verein von der Margarethenhöhe immer treu. „Und ich musste nur zum ETB, weil der TUSEM keine Damen-Handballmannschaft hatte“, sagt die 78-Jährige.
Jo ist erst später dazugekommen, 1994. Zuvor war er als Handball-Torwart oft Gegner der TUSEM-Teams – und hat diese offenbar zur Weißglut gebracht: „Ich habe noch schöne Zeitungsartikel. In einem steht: ‚Brückner bringt TUSEMer zum Verzweifeln‘“, sagt Jo mit einem Lachen.
Kennengelernt hat sich das Ehepaar tatsächlich auch über den Handball. Beim ehemaligen „Dörnemann“ (heute „Eule“) in Rüttenscheid hat es gefunkt. „Das war von unseren beiden damaligen Vereinen das Stammlokal“, berichtet Bärbel.
Letztendlich hat es beide zum TUSEM gezogen, wo sie bis heute noch in verschiedenen Rollen aktiv sind. Jo mehr als Zuschauer und kritischer Beobachter der Handball-Profis, Bärbel an fünf Tagen in der Woche in der Sporthalle. Dort hat sie in den 80er-Jahren das Eltern-Kind-Turnen beim TUSEM ins Leben gerufen und leitet bis heute noch viele Kurse, natürlich auch für Erwachsene. Satt hat es Bärbel noch nicht, „aber ich bräuchte ein paar mehr Übungsleiter zur Unterstützung“.
Was Bärbel seit Jahren für den TUSEM und die Menschen auf der Margarethenhöhe leistet, ist kaum vergleichbar. Somit ist fast schon klar, dass das Ehepaar mittlerweile auch wieder auf der Höhe lebt. Das war mal anders, berichtet Bärbel: „Wir haben in Bredeney gewohnt, direkt neben Alfred Gislason und Dirk Rauin“. Für die Jüngeren unter uns: zwei absolute Handball-Legenden des TUSEM, Gislason ist zudem der aktuelle Bundestrainer der deutschen Mannschaft. Und Jo erinnert sich noch gut: „Einmal hatte Bärbel Geburtstag und Alfred war auch eingeladen. Er konnte aber nicht kommen, weil er Training hatte. Also kam seine Frau. Wir haben ihr etwas vom Essen der Party mitgegeben. Kurz darauf hat Alfred zehn oder zwölf Tore im Spiel geworfen. Und danach sagte er zu Bärbel: ‚Das war Dein Essen!‘“ Jo und Bärbel lachen.
Der TUSEM ist für die Brückners aber noch mehr als nur ein Sportverein. Er ist der Ursprung einiger Freundschaften. Bärbel hat viele Freundinnen gewonnen, auch durch das Turnen. Immer wieder gibt es Turnfahrten in verschiedene Städte Europas. Das Wichtigste sei aber die Gemeinschaft: „Wir fangen in unseren Gruppen zum Beispiel auch ganz viele Witwen auf. Wir wandern, spielen Karten. Das macht natürlich Spaß“, sagt Bärbel.
Spaß hatten die Beiden schon oft mit dem TUSEM. Ein Highlight war der Gewinn des EHF-Pokals 2005 in Oberhausen gegen den SC Magdeburg. „Wir haben im Finale direkt am Spielfeldrand gesessen“, erinnert sich Jo. „Und der Joel Abati von Magdeburg war ein Schauspieler. Der ist immer reingegangen wie ein Wilder und hat sich dann fallen gelassen. Ich habe dann zum ihm ‚Schauspieler!‘ gerufen. In der Halbzeit kam er auf mich zu und mehrere Leute haben ihn festgehalten, auch Alfred Gislason.“ Edel-Fan Jo legte sich danach auch noch mit Stefan Kretzschmar und sogar den Schiedsrichtern an. „Und dann kommt Klaus Schorn zu mir“, sagt Jo und erzählt weiter: „Der fragt mich: ‚Kannst du die Schiedsrichter ins Hotel Bredeney bringen?‘ Dann ging er mit mir zu den Schiedsrichtern und die haben nur gesagt: ‚Mit dem sollen wir fahren?‘ Aber die Jungs waren Klasse. Die kamen aus Dänemark und wir hatten richtig Spaß auf der Fahrt.“ Der vorausgegangene Disput war also schnell wieder vergessen.
Dass der TUSEM für Jo und Bärbel mehr ist als nur ein Hobby, zeigte auch der 12. Dezember vergangenen Jahres. Die Goldene Hochzeit der Beiden fand nicht etwa in einem ganz außergewöhnlichen Rahmen statt, sondern natürlich in der Sporthalle „Am Hallo“. Schließlich hatten die Handballer ein Heimspiel. Und so saß das Pärchen auf seinen Stammplätzen und hielt dabei nicht nur sich selbst, sondern auch dem Zweitligisten die Treue. Zur Belohnung gab es von der Mannschaft auf der Platte immerhin ein Unentschieden, aber von den Verantwortlichen noch ein ganz besonderes Geschenk: ein TUSEM-Trikot mit einer goldenen 50, unterschrieben von allen Handballprofis des Teams.
Mit ihren Anekdoten können die Brückners ganze Bücher füllen. Die Erlebnisse mit dem TUSEM werden immer mehr und nicht langweiliger. Wenn Jo und Bärbel einen Wunsch frei hätten, würden sie sich noch mehr ehrenamtliche Unterstützung wünschen. Mehr Menschen, die mal ein Amt im Verein bekleiden, um zu lernen, wie schwierig es ist einen so großen Verein am Leben zu halten. Und eines ist klar: würde es so engagierte Menschen wie Jo und Bärbel nicht geben, wäre der TUSEM nicht nur um zwei tolle Menschen, sondern auch um vier starke, helfende Hände ärmer.
Steckbrief Jo Brückner
Alter: 76.
Beim TUSEM seit: 1994.
Sportart: Handball, Tennis, Fußball (Alte Herren).
Amt: Ehrenamtlicher Mitarbeiter im Büro von Klaus Schorn, Teil des Festausschusses der Tennis-Abteilung zum 50-jährigen Bestehen (1999).
Vorherige Vereine: ESV 99, GW Werden.
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: Ich bin alt genug und probiere nichts mehr aus.
Davon bin ich Fan: Handball (Auch TUSEM-Dauerkarte).
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… ist nicht vorstellbar, steckt ja schon im Namen drin.
Der TUSEM in einem Wort: Toller Verein.
Steckbrief Bärbel Brückner
Alter: 78.
Beim TUSEM seit: 1956-78 und seit 1985 wieder.
Sportart: Turnen, Leichtathletik, Tennis, Schwimmen.
Amt: Abteilungsleiterin Turnen, Präsidiumsmitglied, Leitung des SGZ (1998-2008).
Vorherige/Andere Vereine: ETB (Handball).
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: Habe schon genug Sportarten.
Davon bin ich Fan: TUSEM-Handballer (Dauerkarte).
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… kann ich mir nicht vorstellen.
Der TUSEM in einem Wort: Zweite Heimat.