„TUSEM lebenslänglich“ – Folge 4

Holger Gaißmayer und Frank Paulun: Der TUSEM ist, wo große Fußballwelt und Familie aufeinandertreffen

Frank Paulun und Holger Gaißmayer.

Selten ist die Feindschaft so groß wie bei Torhütern und Stürmern. Im direkten Duell will der Eine seine Mannschaft vor dem Übel bewahren, während der Andere sein Team zum Jubeln bringen will. Bei Frank Paulun und Holger Gaißmayer kann von Feindschaft aber keine Rede sein. Beide verbindet nicht nur die Liebe zum Fußball, sondern auch die persönlichen Geschichten mit dem TUSEM.

Dabei liefen ihre Karrieren im Prinzip gegenläufig. Während Paulun erst Mitte der 90er zum TUSEM dazustieß, war Gaißmayer bis Ende der 80er ein Junge der Margarethenhöhe, ehe es ihn raus in die weite Fußballwelt trieb. Als bislang einziger Fußballprofi, der aus dem TUSEM hervorgegangen ist, machte sich der mehrmalige Torschützenkönig einen Namen. Unvergessen sein entscheidender Treffer 1996 für den 1. FC Köln, der gegen Hansa Rostock den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga sicherte. „Das war natürlich mein Highlight“, sagt Gaißmayer.

Dass der damals 26-Jährige überhaupt dieses Tor schießen konnte, war mehreren Zufällen zu verdanken. Seine gesamte Jugendzeit verbrachte er am Fibelweg. „Natürlich hat mich mein Vater zum TUSEM gebracht“, sagt er. Uli Gaißmayer war damals schon in Amt und Würden. Und dann war es eben jener Frank Paulun, der Holger nach Oberhausen lockte. Paulun spielte damals bereits für den Oberligisten und riet dem TUSEM-Torjäger davon ab zum ETB zu gehen. „Also bin ich zum Probetraining nach Oberhausen gefahren“, erzählt Gaißmayer, „Und wie es der Zufall so wollte, waren Frank und ich im Trainingsspiel nicht in derselben Mannschaft.“ Also gab es das berüchtigte direkte Duell Torhüter gegen Stürmer.

„Und ich habe ihm sechs oder sieben Dinger reingehauen“, lacht Gaißmayer. Paulun erinnert sich zwar nicht mehr gerne daran, aber noch ziemlich genau. Trainer Manfred Rummel schickte den Stürmer daraufhin umgehend ins Chefbüro der Oberhausener, um einen Vertrag zu unterschreiben. Paulun schimpfte zwar über die vielen Gegentore, rief aber mit sportlicher Größe noch hinterher: „Setz dein Gehalt nicht zu niedrig an!“

Und so stiefelte Holger Gaißmayer zur Vertragsunterschrift – ohne zu wissen, wie das überhaupt geht: „Ich hatte vorher beim TUSEM ja keinen Pfennig bekommen. Woher auch? Und dann habe ich zum Frank nur gesagt: ‚Was kann ich denn da sagen?‘ Dann hat Frank mir eine Summe gesagt. Die habe ich dann dem Rummel weitergegeben, der gleichzeitig auch Manager war. Der sagte nur: ‚Wie kommst du denn auf sowas? Das können wir nicht machen‘. Er ist dann um 200 Mark runtergegangen und ich habe gesagt: ‚Mach ich!‘“

Und so begann eine erfolgreiche Karriere im Profibereich, die von Oberhausen über Köln, Leipzig, Bregenz, Offenbach und Ahlen bis zum Wuppertaler SV führte. Letztendlich kam Holger Gaißmayer unter anderem auf 85 Erstligaspiele und 12 Tore, aber auch auf vier internationale Einsätze mit dem 1. FC Köln im damaligen UI-Cup. Und die Grundlage wurde auf dem Aschenplatz am Fibelweg gelegt.

Genau da spielte ab Mitte der 90er Frank Paulun für den TUSEM. Aber nicht nur Fußball stand auf seinem Sportprogramm, sondern später auch Tennis. Schnell war der Neuling im Verein aufgenommen und ließ dort seine Karriere ausklingen, nachdem er für Oberhausen sogar in der 3. Liga (damals Oberliga) gespielt hatte.

Zu Beginn der 2000er wechselte Paulun vom Tor an die Seitenlinie und begann seine Trainerlaufbahn. Sohn Lukas betreute er von Kindesbeinen – mit Unterbrechungen – bis hin zur A-Jugend und später auch in der 1. Mannschaft. Und die Jahre verliefen sehr erfolgreich, vom Gewinn der Mini-WM 2006, als die E-Jugend des TUSEM als Niederlande „Weltmeister“ wurde, über diverse Aufstiege bis hin zur Meisterschaft in der B-Junioren-Leistungsklasse 2012, die in einer Mannschaftsfahrt nach Ibiza endete. „Wir sind mit unseren Teams immer Wetten eingegangen. Und leider haben wir Trainer diese Wetten oft verloren, was manchmal teuer wurde.“ Und so ging ein Großteil der Mannschaftsfahrt auf die Trainer um Frank Paulun, weil sie eben nicht gewettet hatten, dass ihr Team am Ende der Saison Meister werden würde. „Und da die Jungs offiziell noch kein Bier trinken durften, haben wir Trainer ab und zu mal eins besorgt“, beichtet Paulun und ergänzt: „Das war schon eine geile Jugendzeit insgesamt.“

Neben dem Sportlichen sind für Paulun und Gaißmayer im Laufe der Zeit aber auch viele Freundschaften im und rund um den TUSEM entstanden, der Fibelweg war und ist dabei immer wieder ein großer Treffpunkt. Während Holger Gaißmayer heute für die Stadt Essen die Koordination der Profiteams übernimmt und gelegentlich auch mal beruflich mit dem TUSEM zu tun hat, engagiert sich Zahnarzt Frank Paulun ehrenamtlich als Vorsitzender der Fußballabteilung.

Keine einfache Aufgabe, da der Verein grundsätzlich nicht auf Rosen gebettet ist und es auf der Margarethenhöhe schon lange schwierig ist Sponsoren und ehrenamtliche Helfer zu finden. „Wenn ich mir etwas aussuchen dürfte, dann hätte ich gerne mehr Geld für die Fußballabteilung, um Jugend und Senioren professioneller aufstellen zu können. Also Ausbildungen und Lehrgänge bezahlen, genauso Aufwandsentschädigungen für gut ausgebildete Trainer“, sagt Paulun. Oft übernehmen Elternteile das Training, wovor der Vorsitzende großen Respekt habe, aber das nicht immer dazu führe, dass am Ende die Jugendlichen bestmöglich ausgebildet werden können.

Holger Gaißmayer sieht es ähnlich, auch wenn er das beste Beispiel dafür ist, wie es auch ohne die beste Ausbildung noch zu einer guten Karriere kommen kann. „Bei allem Respekt: wir hatten auch nicht immer die besten Trainer. Aber Leidenschaft gab es beim TUSEM immer schon“, sagt er.

Während Gaißmayers Leidenschaft immer noch der aktive Fußball ist – denn er spielt auch heute noch für die Traditionself des 1.FC Köln mit ehemaligen Nationalspielern wie Jonas Hector – hat Frank Paulun eine neue Sportart für sich entdeckt: Padel-Tennis. „Wenn ich Präsident wäre und eine Sache sofort einführen dürfte, wäre es ein Padel-Platz.“ Natürlich beim TUSEM. Da, wo die Pauluns und Gaißmayers schon lange zuhause sind.


Steckbrief Frank Paulun
Alter: 61.
Beim TUSEM seit: Mitte der 90er.
Sportart: Fußball, Tennis.
Amt: ehem. Jugendtrainer, Torwart-Trainer, Vorsitzender Fußballabteilung.
Vorherige Vereine: Fortuna Holsterhausen, TuS Holsterhausen, SF Katernberg, Rot-Weiß Oberhausen, Aufwärts Heisingen, Werden 80.
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: Handball, aber nicht im Tor.
Davon bin ich Fan: FC Bayern München.
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… undenkbar. Es würde eine wichtige Anlaufstation für die Menschen auf der Margarethenhöhe fehlen.
Der TUSEM in einem Wort: Familienverein.

Steckbrief Holger Gaißmayer
Alter: 56.
Beim TUSEM seit: 1974.
Sportart: Fußball.
Amt: Jugendtrainer.
Vorherige/Andere Vereine: Rot-Weiß Oberhausen, 1.FC Köln, VfB Leipzig, Casino SW Bregenz, Kickers Offenbach, LR Ahlen, Wuppertaler SV, FSV Vohwinkel.
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: Handball. Immer gerne geschaut, da geht’s zur Sache.
Davon bin ich Fan: 1. FC Köln (spiele immer noch in der Traditionself).
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… ist schwer vorstellbar. Die Höhe wird immer automatisch mit dem TUSEM in Verbindung gebracht.
Der TUSEM in einem Wort: Familienverein.