„TUSEM lebenslänglich“ – Folge 10

Für das Präsidium ist der TUSEM „das Herz der Margarethenhöhe“

Ute Schwinn, Christian Kukuk und Florian Fröhlich am Ninja-Parcours im SGZ.

Zusammengerechnet haben sie mittlerweile schon über 130 Jahre TUSEM erlebt – und in den Knochen. Für Präsident Christian Kukuk, Vize-Präsidentin Ute Schwinn und Schatzmeister Florian Fröhlich ist der TUSEM mehr als nur ein Verein, er ist Treffpunkt, Gemeinschaft, Familie – „und viel Arbeit“, wie Christian betont. Doch die Drei wissen genau, warum sie unzählige Stunden ihrer Freizeit in ihren Verein investieren.

Nicht nur, weil sie nicht „Nein“ sagen konnten, als man sie fragte, ob sie ein Amt übernehmen würden, sondern aus Überzeugung: „Ich erinnere mich zum Beispiel an die Corona-Zeit“, sagt Ute, „das war der Hammer. Wie viele Vereinsmitglieder an einem Konzept gearbeitet haben, um vor allem die Kinder wieder auf den Platz oder in die Halle zu kriegen. Das ist ein Verein, wie man ihn sich immer vorgestellt hat. Alle ziehen an einem Strang und bringen ihr Wissen mit ein. Das war wirklich ein tolles Gefühl von Gemeinschaft. Deswegen mache ich das hier.“

Und das schon seit Jahren. Ute kam recht früh zum TUSEM, eigentlich zu früh: „Meine Schwester ging immer zur Leichtathletik. Ich war dafür eigentlich zu jung, bin aber immer mitgegangen. Und irgendwann haben die Trainer gesagt: ‚Ach komm, dann mach halt mit‘“. Das ist mittlerweile schon über 50 Jahre her und die mittlerweile 56-Jährige hat es nie zu einem anderen Sportverein gezogen.

Ähnlich geht es Florian Fröhlich. Eltern und Freunde sorgten dafür, dass der heute 43-Jährige nicht nur eine Sportart, sondern direkt drei verschiedene im TUSEM ausprobierte: Fußball, Badminton und Handball. „Ich bin hier aufgewachsen, die Familie ist im Verein verwurzelt. Mich so ehrenamtlich zu engagieren, würde ich in keinem anderen Verein machen. Das ist meine sportliche Heimat.“

Christian Kukuk kam etwas später zum TUSEM, ihn hat der Volleyball zur Margarethenhöhe gebracht. Zwar spielt der 55-Jährige schon seit einigen Jahren nicht mehr selbst, doch wann immer er die Klaus-Schorn-Sporthalle betritt, ist es wie eine Art Heimkehr: „Ich sitze da auf den Bänken, als hätte ich es letzte Woche noch als Aktiver getan. Das ist irgendwie komisch, dass ich dieses Heimatgefühl immer noch entwickele.“

Im Laufe der Jahre haben sich viele besondere Momente angesammelt. Bei Christian waren es vor allem die Fahrten mit der Volleyball-Abteilung, sei es zum internationalen Turnier nach Kassel oder zum riesigen Turnfest nach Berlin. „Das war irre. Wir hatten super viel Spaß und waren für die Stadt Essen auch sehr erfolgreich. Außerdem gab es zu der Zeit direkt an der Berliner Mauer Konzerte mit David Bowie und Eurythmics. Das war sehr besonders für uns“, sagt er.

Ute ist in Bezug auf den TUSEM auch sehr oft auf Tour, allerdings eher außersportlich. Zusammen mit ihrer Tennis-Mannschaft geht es einmal im Jahr nach Mallorca: „Für Meisterschaftsspiele brauchen wir sechs Spielerinnen. Die sind oft schwierig zusammen zu bekommen. Aber auf Mallorca klappt es problemlos, dass wir 15 Frauen sind“, lacht sie.

Viele besondere Momente brennen sich bei den Präsidiumsmitgliedern ein, nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen verankert. Florians schönstes Erlebnis war die damalige Meisterschaft mit seiner A-Jugend im Fußball, direkt gefolgt vom Turniersieg auf dem heimischen Aschenplatz am Fibelweg während der Turnierwoche: „Wir hatten eine tolle Truppe – und natürlich auch gut gefeiert.“

Der TUSEM sei mehr als Sport, es gehe oft auch um ganz andere Dinge: „Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir Vereine“, sagt Florian. Ute ergänzt: „Beispiel Fußballmannschaft: Hier spielen Türken, Araber und Deutsche alle in einem Team. Das werden und sind Freunde. Der Sportverein ist ein Ort, an dem Menschen feststellen: ‚Oh, der Typ ist ja doch ganz in Ordnung.‘ Das ist wichtige Arbeit für die Gesellschaft.“

Präsident Christian Kukuk geht sogar noch einen Schritt weiter: „Die Schulpolitik verändert sich ständig und daraufhin müssen sich die Vereine anpassen. Ich finde, da wird eher umgekehrt ein Schuh draus. Die Schulen sollten kommen und fragen: ‚Ihr Vereine seid so stark, ihr holt die Kinder von der Straße. Was braucht ihr?‘ Um sich dann eben nach den Vereinen zu richten. Da müsste mehr investiert werden.“

Auch wenn das Präsidium solche Entscheidungen nicht in der eigenen Hand hat, will es möglichst viel in diese Richtung bewegen. Und Wünsche für die Zukunft gibt es natürlich auch: „Wichtig sind stabile Mitgliederzahlen. Wenn eine kritische Masse unterschritten wird, bekommen wir Probleme. Die Tennis-Abteilung wird nicht mehr lange überleben. Es gibt keine Jugend mehr und ohne Jugend in Zukunft auch keine Erwachsenen“, sagt Ute. Ähnlich sieht es Christian, der dabei auch noch im Blick hat, dass im TUSEM jedem etwas geboten werden kann: von Leistungs- bis Breitensport, von jung bis alt. Und der Schatzmeister Florian hat sich fest vorgenommen den Verein auf eine finanziell solide Basis zu stellen und ihn dort auch zu halten.

Ein so großer Verein ist mit viel Arbeit verbunden – oft mit Gegenwind und Ärger. Abteilungen fühlen sich benachteiligt, es gibt Engpässe bei Hallenzeiten, ein über lange Zeit geschlossenes Klubhaus und unterschiedliche Meinungen sowie leidenschaftliche Streitereien unter Vereinsmitgliedern. Doch für Kukuk, Schwinn und Fröhlich gibt es eigentlich kein Leben ohne den TUSEM. Ute erinnert sich: „Ich bin am Tennisplatz aufgewachsen, meine Eltern waren immer hier. Wenn ich aus dem Pfadfinder-Lager zurückkam, habe ich meinen Koffer am Parkplatz stehen gelassen und bin dann nicht nach Hause, sondern zum Tennisplatz gegangen, um meinen Eltern zu sagen, dass ich wieder da bin.“

Christians Antrieb ist in erster Linie, dass er etwas zurückgeben möchte: „Es gab damals einige Vorbilder in meiner Abteilung, die viel Zeit geopfert haben, damit wir Sport machen konnten. Mir ist es wichtig, mich zu engagieren. Wenn das keiner tut, zerfällt ein Verein irgendwann. Das ist viel Arbeit. Aber wenn ich meine Runde über den Fußballplatz gehe und sehe so viele Kinder und Erwachsene da spielen, dann ist mir immer wieder klar, dass ich das gerne mache.“

Für alle Drei ist jedenfalls klar, dass es sich lohnt, im und für ihren Verein zu kämpfen: „Der TUSEM ist das Herz der Margarethenhöhe“, sagt Ute Schwinn „und um eine Dorfgemeinschaft zu bilden, ist er existenziell.“


Steckbrief Christian Kukuk
Alter: 55.
Beim TUSEM seit: 1983.
Sportart: Volleyball.
Amt: ehem. Trainer Mädchen-/Damenmannschaften, Spielertrainer 2. Herren, ehem. Beisitzer, Präsident.
Vorherige Vereine: SGN (Skigemeinschaft Nordrhein, Volleyball), Sportfreunde 07 (Leichtathletik).
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: Boxen, Tennis, Badminton.
Davon bin ich Fan: Rot-Weiss Essen, TUSEM.
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… wäre sportbefreit und ärmer an Möglichkeiten.
Der TUSEM in einem Wort: Vereint.

Steckbrief Ute Schwinn
Alter: 56.
Beim TUSEM seit: 1974.
Sportart: Leichtathletik, Tennis.
Amt: Kapitän der Damen-Tennismannschaft, Vorsitzende der Tennis-Abteilung, Vize-Präsidentin.
Vorherige Vereine: –
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: Taekwondo.
Davon bin ich Fan: TUSEM Handball.
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… wäre ein ganzes Stück ärmer an Gemeinschaft.
Der TUSEM in einem Wort: Familie.

Steckbrief Florian Fröhlich
Alter: 43.
Beim TUSEM seit: 1988.
Sportart: Fußball, Badminton, Handball.
Amt: ehem. Kassierer der Fußballjugend, ehem. Beisitzer Vereinsjugend, Schatzmeister.
Vorherige Vereine: –
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: Tennis.
Davon bin ich Fan: TUSEM (Handball und Fußball), Rot-Weiss Essen.
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… hätte keinen sportlichen Mittelpunkt.
Der TUSEM in einem Wort: Gemeinschaft