Jörg Hofmann: „Beim TUSEM werden Menschen miteinander verbunden“

Wenn Jörg Hofmann heute über den TUSEM spricht, dann geht es schnell um Menschen. Um Kinder, die er vor Jahren trainiert hat. Um ehemalige Schüler, die ihm Jahre später beim Bäcker über den Weg laufen und sagen: „Herr Hofmann, kennen Sie mich noch?“ Um Eltern, die ihm erzählen, dass ihre Kinder durch Taekwondo selbstbewusster, konzentrierter oder einfach ein bisschen besser geworden sind.
Und manchmal geht es sogar um drei Generationen. Vor einiger Zeit stand ein neuer Schüler in Jörgs Taekwondo-Gruppe. Sein Vater hatte bereits bei ihm trainiert. Und auch der Großvater war einmal sein Schüler. Drei Generationen, ein Trainer. Für Jörg sind das keine Zahlen und keine Statistiken. Es sind Geschichten. Geschichten, die zeigen, was ein Verein auslösen kann, wenn Menschen nicht nur ein paar Monate bleiben, sondern über Jahrzehnte miteinander verbunden sind.
Jörg selbst ist längst ein Teil dieser Geschichte. Seit vielen Jahren steht er beim TUSEM auf der Matte. Als Trainer, Prüfer, Abteilungsleiter und vor allem als jemand, der Kindern und Jugendlichen mehr mitgeben möchte als nur die richtigen Bewegungen. Respekt, Disziplin, Selbstvertrauen und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein – darum geht es ihm. Vielleicht ist deshalb die Trainingshalle sein Lieblingsort beim TUSEM. Nicht, weil dort einfach Sport gemacht wird. Sondern weil dort Erinnerungen entstehen.
Eine davon ist für Jörg besonders schön: Eine junge Austauschschülerin aus Peru kam zum Training. Sie sprach kein Deutsch. Verständigungsprobleme? Eigentlich nicht. „Denn im Taekwondo wird ohnehin mit koreanischen Kommandos gearbeitet“, sagt Jörg, „auf der Matte spielt es plötzlich keine Rolle mehr, wo jemand herkommt oder welche Sprache er spricht. Alle wissen, was zu tun ist.“ Ein Verein als gemeinsame Sprache.
Auch deshalb beschreibt Jörg den TUSEM nicht einfach als Sportverein. Für ihn ist er Treffpunkt, liefert Gesprächsstoff – und vor allem ist er Gemeinschaft. „Hier beim TUSEM und im Sport generell werden Menschen miteinander verbunden“, sagt er.
Dabei hätte seine eigene Geschichte ganz anders aussehen können. Jörg war Polizist. Der Beruf und der Schichtdienst ließen ihm über viele Jahre nicht die Zeit, die er für seine eigene sportliche Entwicklung gebraucht hätte. Und dann kam der 18. November 2011. Ein Tag, den man nicht vergisst: Jörg erlitt völlig unerwartet einen plötzlichen Herztod. Er überlebte.
Danach musste vieles neu beginnen. Auch beim Taekwondo. Seine eigene sportliche Entwicklung war erst einmal Nebensache. Aber irgendwann stand Jörg wieder auf der Matte. Nicht, um etwas nachzuholen. Sondern weil es offenbar Dinge gibt, die man nicht einfach aufgeben kann. 2026 machte er seinen fünften Dan. Ein starker Rang („Offizieller Meister“) im Taekwondo, der höchste ist der neunte Dan (Großmeister).
Und wer jetzt denkt, dass das für einen 66-Jährigen ein schöner Schlusspunkt wäre, kennt Jörg offenbar nicht besonders gut. Denn auf die Frage, was er beim TUSEM noch erreichen möchte, klingt seine Antwort beinahe trotzig: „Da geht noch was.“ Bis zum neunten Dan ist es theoretisch noch ein weiter Weg. Aber genau das scheint Jörg zu reizen. Noch einmal lernen. Noch einmal trainieren. Noch eine Prüfung. Noch ein Stück weiter.
Dabei hat der Sport immer auch auf der Arbeit geholfen. Seine Kollegen bei der Polizei waren froh über Jörgs Fähigkeiten, die er sich über das Taekwondo angeeignet hatte: „Wenn mal irgendwo eine Tür eingetreten werden musste, wurde ich angerufen. Fünf Minuten später war ich da“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Beim TUSEM geht es für Jörg nicht nur um das, was auf der Matte passiert. Zweimal wurde er beim TUSEM-Day für seine Arbeit im Nachwuchsbereich ausgezeichnet – beide Male wusste er vorher nichts davon – und er habe sich enorm gefreut. Er ist jemand, der über Jahrzehnte investiert hat: Zeit, Energie, Geduld. Ohne große Bühne.
Seine ehemaligen Schüler tragen das weiter. Manche trainieren irgendwann selbst Kinder. Andere kommen Jahre später zurück. Wieder andere erzählen ihren eigenen Kindern vom „Herrn Hofmann“, bei dem sie früher Taekwondo gemacht haben.
Vielleicht ist genau das die schönste Form von Vereinsleben: Wenn man irgendwann merkt, dass man selbst Teil der Geschichten anderer Menschen geworden ist. Jörg ist seit Jahrzehnten Teil des TUSEM. Und der TUSEM ist seit Jahrzehnten Teil von Jörg. Was mit einem Kind begann, das Taekwondo ausprobieren wollte, ist zu einem Stück Lebensgeschichte geworden.
Und wenn Jörg heute wieder auf der Matte steht, seine Schüler beobachtet und die nächste Generation trainiert, dann ist da vermutlich noch immer dieser Gedanke: Der nächste Gürtel wartet. Die nächste Prüfung kommt. Und da geht noch was.
Steckbrief Jörg Hofmann
Alter: 66.
Beim TUSEM seit: 1997.
Sportart: Taekwondo.
Amt: ehem. Beirat Taekwondo-Abteilung, Abteilungsleiter, Trainer, Prüfer.
Vorherige Vereine: Sportfreunde 07, PSV Essen (jeweils Fußball).
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: -.
Davon bin ich Fan: Borussia Mönchengladbach, Rot-Weiss Essen, Rammstein.
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube, dass der ganze Stadtteil vom TUSEM viel partizipiert. Er ist ein wichtiger Treffpunkt.
Der TUSEM in einem Wort: Verbindung.