Birgit Golz und Stephanie Janßen: „Wir waren ganz harte Hündinnen“

Manche Menschen sind Mitglied in einem Verein. Andere sind ein Stück weit der Verein. Stephanie Janßen und Birgit Golz gehören beim TUSEM definitiv zur zweiten Kategorie. Seit Jahrzehnten ist der Verein Teil ihres Lebens – als Sportlerinnen, als Mütter, als Freundinnen und inzwischen als Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle.
Ihre Geschichte beginnt lange vor ihrer Arbeit beim TUSEM. Eigentlich beginnt sie schon in der Kindheit – auf der Margarethenhöhe, mitten in der Siedlung, in der der TUSEM seit jeher mehr ist als nur ein Sportverein.
„Meine Eltern haben mich zum TUSEM gebracht“, erzählt Birgit. Als Kind ging es zum Turnen, später zur Leichtathletik und schließlich zum Fußball. Stephanie kam etwas später dazu. Auch sie probierte Turnen und Leichtathletik aus, wechselte dann aber ebenfalls zum Fußball. Mittlerweile sind beide im Tennis zuhause.
Dass beide beim TUSEM landeten, war dabei fast zwangsläufig. „Wenn du hier groß geworden bist und deine Eltern kein Auto hatten, hattest du eigentlich gar keine Chance, woanders hinzukommen“, sagt Steffi, die als Fußballerin beinahe zur großen SG Schönebeck gewechselt wäre, wie sie sagt. „Ja sicher! Das denkst du dir doch aus“, lacht Birgit. Das fehlende Auto hat den Wechsel verhindert.
Irgendwann entstand aus einer Gruppe junger Frauen tatsächlich eine Damen-Fußballmannschaft. Erst waren sie nur da, um die Jungs in der B- und A-Jugend aus nächster Nähe zu sehen, aber dann hatten sie selbst einen Ball am Fuß. Auf dem Ascheplatz wurde trainiert – bei Wind und Wetter. „Meine Mutter hat immer gesagt: ‚Bei dem Wetter werdet ihr doch wohl nicht trainieren!‘ Von wegen“, berichtet Birgit. Natürlich wurde trainiert, Steffi und Birgit blieben nicht verschont: „Ganz harte Hündinnen sind wir da geworden“, lachen die beiden heute.
Die Jahre als Fußballerinnen brachten nicht nur Asche in die Knie und jede Menge Erinnerungen, sondern auch Freundschaften, die bis heute halten. Und natürlich die legendären Herbstfeste der Fußballabteilung. Ein absolutes Highlight für die Beiden. Birgits Schwester durfte schon mit, sie selbst musste zunächst zuhause bleiben – und war entsprechend beleidigt. Als sie schließlich alt genug war, durfte sie mitfeiern. Die Feste in der Turnhalle wurden legendär: Musik, Tanz, Geselligkeit – und so manche Nacht, die erst in den frühen Morgenstunden endete.
Doch der TUSEM war nicht nur Sport und Feierei. Er wurde Familie.
Die eigenen Kinder spielten später ebenfalls im Verein, teilweise gleich in mehreren Abteilungen. Aufstiege, Meisterschaften und gemeinsame Feiern wurden zu Familienereignissen. Besonders in Erinnerung geblieben sind zudem die großen Erfolge der Handballer und natürlich die Aufstiegsfeiern, wie zum Beispiel auf dem Kleinen Markt. „Eigentlich war immer etwas“, sagt Steffi.
Auch gemeinsame Reisen gehören zu den Erinnerungen: Sunderland, Budapest, Prag und sogar Leningrad – damals noch mit einer Propellermaschine. Eine Reise blieb besonders im Gedächtnis, als Teamkollegin Susi Schienbein am Flughafen wegen eines Fotos im Ausweis von bewaffneten Sicherheitskräften herausgezogen wurde. Am Ende musste TUSEM-Urgestein Uli Gaißmayer die Situation klären.
Birgit hat noch eine andere Geschichte, die sie bis heute nicht vergessen hat: Als Babysitterin für den Sohn von Handballstar Alfred Gislason sollte sie damals deren Spiel im Fernsehen aufnehmen. Das Problem: Es war noch die Zeit der Videorekorder. Und Birgit erwischte das falsche Programm. Statt Handball lief später „Aktion Sorgenkind“ – vor versammelter TUSEM-Mannschaft. Peinlich war ihr das vor den großen Männern allemal. „Dann hätte ich mir mehr Mühe gegeben“, sagt sie heute lachend – schließlich wusste damals noch niemand, dass Alfred Gislason eines Tages Bundestrainer werden würde.
Seit 2000 arbeitet Birgit in der TUSEM-Geschäftsstelle, Steffi ist seit 2002 dabei. Zusammen kommen sie damit auf mehr als ein halbes Jahrhundert Vereinsarbeit. Und auch wenn sie ihren Arbeitsplatz mit einem Augenzwinkern als „viel Arbeit“ beschreiben, ist da vor allem eines: Stolz.
Denn wer beim TUSEM arbeitet, lässt die Arbeit nicht im Büro. Der Verein kommt mit. Vor allem auf der Margarethenhöhe. Beim Einkauf, auf dem Tennisplatz, im Urlaub. „Man wird ständig angesprochen“, erzählen die beiden. So kam Steffi regelmäßig montags mit Bierdeckeln voller Notizen auf die Arbeit – gesammelt am Wochenende im Klubhaus. Fragen, Wünsche, Geschichten – irgendjemand kennt immer jemanden, der gerade etwas vom TUSEM wissen möchte.
Vielleicht ist genau das der Kern ihrer Geschichte: Der TUSEM ist für Steffi und Birgit kein Ort, an dem sie nur irgendwann einmal Sport gemacht haben. Er ist ein Ort, an dem sie aufgewachsen sind, Freundschaften geschlossen, Familien gegründet und unzählige Erinnerungen gesammelt haben. „Eine große Familiengemeinschaft“, nennen sie den Verein. Und deshalb ist für beide klar: Die Margaretenhöhe ohne den TUSEM? Undenkbar.
Steckbrief Birgit Golz
Alter: 59.
Beim TUSEM seit: 1972.
Sportart: (Kinder-)Turnen, Leichtathletik, Fußball, Tennis.
Amt: ehem. Schriftführerin im Fußball-Vorstand, Mitarbeiterin der Geschäftsstelle seit 2000.
Vorherige Vereine: keine.
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: Boxen.
Davon bin ich Fan: von Peperoni-Chips und meinen Kindern.
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… wäre undenkbar. Wir selbst haben hier Sport gemacht, unsere Männer, unsere Kinder. Und wir haben viele Freundschaften geknüpft.
Der TUSEM in einem Wort: Arbeit, aber auch Stolz.
Steckbrief Stephanie Janßen
Alter: 58.
Beim TUSEM seit: 1978.
Sportart: (Kinder-)Turnen, Leichtathletik, Fußball, Tennis.
Amt: Mitarbeiterin der Geschäftsstelle seit 2002.
Vorherige Vereine: keine.
Diese Sportart im TUSEM würde ich gerne ausprobieren: Boxen.
Davon bin ich Fan: Rot-Weiss Essen, TUSEM-Handball.
Die Margarethenhöhe ohne den TUSEM… kann ich mir nicht vorstellen. Weil eine Siedlung einen Verein braucht. Für die Kinder, für die Zusammengehörigkeit.
Der TUSEM in einem Wort: Stolz.